Wann ist ein Sattler ein Sattler..

Normalerweise würde ich mir für so ein Thema keine Zeit nehmen, aber in den letzten Tagen habe ich immer öfter auf Social Media-Kanälen gelesen ; „ Oh, ich hole mir einen gelernten Sattler.“ oder auch „ Haben sie den Beruf des Sattlers überhaupt gelernt? “. Daher erachte ich es als sinnvoll, das sie mal ein paar Informationen bezüglich des Berufs als Sattler erhalten.

Ich denke zu allererst sollten wir die unterschiedlichen Fachrichtungen begutachten und schauen, was es für Sattlerausbildungen überhaupt gibt.

Der Auszubildende geht in die Berufsschule um den theoretischen Teil der Ausbildung zu erlernen. Dies sind jeden zweiten beziehungsweise jeden dritten Monat 2-3 Wochen. Den Rest der Zeit verbringt er in der Werkstatt und wird dort in die praktische Arbeit eingeführt.

Jedoch ist Sattler nicht immer gleich ein Handwerk am Pferd.

Der Begriff Sattler gliedert sich in drei unabhängige Fachbereiche. Diese wären:

- Fahrzeug- / Autosattler beschäftigen sich mit der Innenausstattung von Autos, stellen LKW-Planen und Cabrioverdecke her.

- Feintäschner produzieren Kleinlederwaren wie z.B. Handtaschen, Portmornaise und ähnliches.

- Reitsportsattler produzieren Trensen, Kutschengeschirre und stellen Lederteilstücke zum Sattelbau her.

Die Fachrichtung Reitsport beschäftigt uns hier besonders. Über die Lederverarbeitung hinaus, erlernt man außerdem, anständig und gut mit der Nähmaschine umzugehen und auch Handnähte gekonnt anzuwenden. Leider wird das Anpassen des Sattels, das Polstern, und die Beurteilung der Sattelpassform während der Standartausbildung nach Lehrplan nicht vermittelt.

Auch wichtiges Wissen über die Anatomie , Biomechanik und Sattelpassform eines Pferdes wird nicht gelehrt.

Nach abgeschlossener Berufsausbildung zum Reitsportsattler gibt es, so wie in fast jedem Handwerk, die Möglichkeit, die Meisterschule zu besuchen.

Diese schulische Ausbildung, welche in Vollzeit innerhalb von drei Monaten absolviert ist, beinhaltet reichliche Informationen. Zum Beispiel “ Wie bilde ich junge Leute aus und führe diese “ , “ Welche wirtschaftlichen Faktoren gibt es? “ und “ Wie baue ich einen Sattel? “. Diese drei Punkte geben einen winzigen Einblick in die Ausbildung zum/zur Sattlermeister/-in.

Was jedoch kein essenzieller Ausbildungsbestandteil ist: “ Wie passe ich einen Sattel an " , “ Wie finde ich die optimale Lösung für Pferd und Reiter “. Man wird in lediglich 10 Stunden, in denen in großen Gruppen grob besprochen wird welche Vermessungssysteme es gibt und welche Biomechanik das Pferd hat, unterrichtet. Und auch jenen, die selber weder Reiten noch jemals Pferdekontakt in ihrem Leben hatten, wird zumindest am “lebenden“ Objekt mal eben schnell erklärt, was Schulterblatt und Widerrist ist. Ansonsten sieht man während der Meisterausbildung kein lebendiges Pferd und hat somit keine Berührungspunkte mit eben dem Sattelanpassen, Auf-/Abpolstern und Kammerweite ermitteln um somit am Schluss – um zwei Lebewesen glücklich und in erster Linie gesund zu erhalten – die richtige Entscheidung zu treffen.

Diese Fähigkeiten erlernt man nicht innerhalb von drei Monaten, sondern werden von alten Meistern an junge Sattler weitergegeben. Gespickt mit jahrelanger Erfahrung, Pferdeverständnis und Leidenschaft.

Wenn man nicht in der glücklichen Situation war bzw. ist einen Altmeister zu haben, ist man auf Firmen und Fremdsattlereien, welche Sattelseminare über Passform und Pferdeanatomie anbieten, angewiesen. Die Initiative zur Weiterbildung des Sattlers liegt somit bei ihm selbst.

Zum Schluss sei noch gesagt, dass die Bemühungen um ein besseres Knowhow von den meisten Sattlern beherzigt werden und Sattelprobleme wie zum Beispiel enge Ortsweiten und viel zu schmale Wirbelkanäle sich deutlich verbessert haben.

Der Punkt ist also, dass es noch ein sehr langer Weg dorthin ist die Sattelanpassung als staatlich anerkannte Ausbildung geltend zu machen. Aber es gibt noch Hoffnung!







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